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Auslandshund als Must have?

Aus gegebenem Anlass:



Als 2012 unser Herr Denzel im Alter von nur 6 Jahren verstarb, war für mich klar, dass ich wieder einen Hund haben werde. Mein Alter passte noch, also war ich durchaus auch bereit, noch einmal einen Welpen zu bekommen. Wie ich im Tierheim Andernach aufprallte, hatte ich mir schon vorher ein paar Hunde ausgesucht, von denen ich dachte, dass sie eventuell zu mir passen würden. Und dann kam Sally (damals noch Cherie) und alles wurde anders. Ich bekam gesagt, welche Eigenschaften die Hundedame hat und woher sie kam. Aus Rumänien, ein ehemaliger Straßenhund, der in der Smeura „gefangen“ gehalten wurde, was mehr oder weniger schon ein Privileg. Da geht es den Hunden soweit gut. Sally kam aber raus, da sie dort hoffnungslos unterlegen war, denn auch dort oder gerade dort in den Sheltern, gibt es diese Machtkämpfe zwischen den Hunden. Also bekam Sally das Los in die Pfote gedrückt und durfte nach Deutschland, nach Andernach fahren. Was für eine Aktion für einen Hund, der ja schon einmal alles verloren hatte, dann aufgefangen worden war und nun wieder ein neues Leben anfangen musste. Muss man sich mal vorstellen, was es für einen Menschen bedeutet, für ein Tier, für einen Hund ist das sicherlich nicht einfacher.

Sally und ich haben einen Monat die Zeit gehabt, die es braucht. Man muss sich sicher sein, dass man mit einem Angsthund oder Auslandshund zurecht kommt. Ich habe Sally nicht genommen, weil ich dachte „wow, dann habe ich auch einen Hund aus dem Ausland und bin was Tolles. Es hat Tränen gekostet und manche schlaflose Nacht, weil man sich Gedanken machte, ob das alles so richtig sei, ob man dem Hund das bieten kann, was er braucht. Bei Sally stimmte von der ersten Minute an die Chemie. Eine rumänische 2 jährige Knutschkugel, ein Herzensbrecher und vor allen Dingen, so fixiert auf mich und voller Vertrauen.

Heute, wo Sally nun fast 5 Jahre bei uns ist, gibt es Tage, wo die alten Wunden aufbrechen. Da muss sich nur ein Ast zu sehr im Wind bewegen und Sally ist durch den Wind. Sobald uns ein Mensch entgegen kommt, der seinen Hund an der langen Leine am Fahrrad führt, flippt Sally aus. Für sie zeigt sich das Bild „Hund wird eingefangen und kann sich nicht wehren“, also will sie eingreifen. Gleiches bei Autos mit Anhängern, da flippt Sally aus. Hunde vergessen nicht, auch wenn das mal eine besonders schlaue Dame im Tierheim zu mir meinte. Wenn ich mit Sally unterwegs bin, dann sind meine Augen überall. Situation schon erkennen, bevor sie überhaupt passiert. Den Hund lesen und wissen, welche Reaktion kommen wird.

Nun haben wir mit Sally einen Hund der mässig aktiv ist. Soll heißen, man muss gar nicht versuchen, mit Sally einen Triathlon zu machen. Gemütliches Spazierengehen, mal ein Pfund Gras futtern, dann unter eine Parkbank legen, das reicht der Maus. Wenn ich eine Mischung aus Labrador und was auch immer habe, dann sollte ich wissen, dass da mehr Ausdauer gefragt und gefordert ist. Wenn ich einen jungen, nicht ausgewachsenen Hund zu mir hole, dann muss ich damit rechnen, dass der Schuss nach hinten losgeht. Keiner kann sagen, was für Gene vorhanden, was da draus werden könnte. Jeder Welpe ist süß (jedes Baby ist süß) zum Satan werden sie dann, wenn man Pech hat oder dem Hund nicht bieten kann, was eigentlich der Rasse/Mischung entsprechend gefordert wäre.

Ich werde nun im Dezember immerhin schon 50 Jahre alt und ich hoffe doch schwer, dass Sally mindestens noch weitere 7 Jahre bei uns ist. Ich denke, dann werde ich mir ernsthaft Gedanken machen, ob ich dann wieder einen Hund bekomme. Ich tendiere da mehr zu „wenn Hund, dann gehst du hin, deinem Alter und auch Gesundheit entsprechend!“ Alles andere, ich weiß nicht. Ich merke an vielen Tagen, wie ich mit dem was ich habe (schreibe noch lange nicht alles im Blog), dass ich oftmals an den Rand des machbaren komme. Gott sei Dank ist Sally eine kleine Seele, die genau die Stimmungslage mitbekommt und sich dem entsprechend verhält. Ich danke ihr immer noch für die Aktion, wie sie bei einem meiner Anfälle ans Bett geschossen kam. Seelenhund!

Ich bin kein Hundeprofi, werde nie erklären können, wie das mit Hund und mir funktioniert. Es klappte schon damals im Tierheim, wo ich mein Praktikum absolvierte. Ich bekam Kontakt zu Hunden, wo sich sonst keiner dran traute. Ich könnte viel erzählen, will es aber nicht. Halte auch oft meine Klappe, weil ich genau weiß, dass so mancher es nicht verstehen würde. Muss jeder selber wissen. Also meistens. Man sollte sich immer !!! die Frage stellen, ob man ab eines gewissen Alters und gesundheitlicher Konstitution einen großen, wilden, jungen, dynamischen Hund haben muss oder es nicht doch besser wäre, eine kleine, niedliche, liebenswerte Knutschkugel zu haben.

Ich habe Sally, weil es sich so ergeben hat. Und, ich habe bei Sally meinen Kopf durchgesetzt, denn kein Tier wird bei mir zu Tode geimpft. Der frühe Tod von Herrn Denzel hat mir die Augen geöffnet und so langsam, öffnet auch so manch Tierarzt die seinen.


Pfoten-Anekdoten 22.06.2018, 21.26

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von BergfalkeR

Ich dachte immer, dass der Hund sich den Mensch aussucht. Bis zu meiner Rente (ich bin etwas älter als Du) werde ich mir keinen Hund zulegen, da ich nicht die entsprechende Zeit habe. Bei einer 40 Std Woche wäre das einem Hund gegenüber unfair.

vom 08.07.2018, 15.20
Antwort von Pfoten-Anekdoten:

Moin, im Grunde schon richtig, was Du schreibst. Also Hund sucht sich uns aus. Bei der Sache mit Sally und deren Geschichte, musste aber auch ich
bereit sein. Und wenn Sally es nicht gewollt hätte .... 

LG

4. von Manja Kaube

Zuallererst ... Tusch...Fanfare... Feuerwerk ..Happy Birthday an die Knutschkugel Sally...Ich würde sie ja sooooo gern mal persönlich kennen leren (Floh übrigens auch :tuedeldue: )

Es ist doch eigentlich ganz einfach, wenn Hunde wirklich nur im Hier und Jetzt leben würden und keine Erinnerungen an früher hätten, dann gäbe es doch logischerweise gar keine traumatisierten Fellnasen oder sogenannte Angsthunde. Die hätten doch alles vergessen und würden jedem Menschen vorbehaltlos vertrauen...nur ist dem einfach nicht so.
Ich habe mich für eine Hund mit Migrationshintergrund (OT mein Tierarzt) entschieden , weil es zum einen in unseren örtlichen Tierheimen einfach keinen wirklich geeigneten Kandidaten gab und ich meinen Tierschutzverein wirklich überzeugend fand. Sie haben mir mit meinem Floh auch einen echten Seelenhund vermittelt.

Liebe Grüße an euch Zweibeiner und die schuggeligen Fellträger

vom 28.06.2018, 01.49
3. von Celine

Das hast Du sehr gut beschrieben liebe Josi denn wir haben ähnliche Probleme mit Nikuma gehabt und noch einige Kleinigkeiten, wieder neu ausgebrochen zu bewältigen. Wir wollten eigentlich nach Brunos Tod erst einmal keinen Hund mehr haben aber dieser weiße Mr. Blond, so nannte man ihn in Kroatien hatte im Nu unser Herz erobert. Für mich übrigens der zweite Auslandshund denn mein Scumper-Mica kam aus Rumänien. Alles was Du geschildert hast ist genau so und wir haben das Glück viel Zeit für unseren weißen Riesen zu haben. Sollte uns einmal etwas zustoßen haben wir bereits für liebevolle Paten gesorgt. Auch das ist ja sehr wichtig nicht wahr? Liebe Grüße zu Euch von uns und den Fellnasen aus Hattingen :-)


vom 23.06.2018, 18.08
2. von 19sixty

Auslandshund ja und nein. Jeder Hund verdient ein gutes Zuhause. Egal wo er herkommt. Ihr hattet Zeit für Eure Entscheidung und habt es Euch gut überlegt. Das finde ich in Ordnung.

Schlimm finde ich die Leute, die sich aus dem 14-Tage-Urlaub einen "ach so armen und süßen" Hund mitbringen. Zuhause stellen sie fest, dass es doch keine so gute Idee war, und das arme Tier landet wieder im Tierheim. Das müsste, meiner Meinung nach, verboten werden.

Liebe Grüße

vom 23.06.2018, 12.17
1. von Gudrun

Dann nachträglich von mir Happy Birthday für Sally.
Und Dir kann ich nur zustimmen! Man sollte sich genau überlegen, wie alt man ist, ob man für ein Tier sorgen kann, oder auch, wohin es kann, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.
Schönes Wochenende, Ihr Lieben!
Gudrun

vom 23.06.2018, 09.30
Sally:



Pünktchen:

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Gebt Euren Senf dazu *gg*
Gudrun:
Ich drücke Dir fest alle Daumen; hoffentlich
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BergfalkeR:
Freut mich für Dich, dass Du so schnell wiede
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19sixty:
Alles Gute, viel Kraft und Geduld.Liebe Grüße
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Manja Kaube:
Alles wäre wohl besser, als diese Sammlung an
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Gudrun:
Ich freue mich riiiieeesig,, dass es Dir doch
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19sixty:
Alles, Alles Gute.Liebe Grüße
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BergfalkeR:
Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass all
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Gudrun:
Du weißt, dass ich ganz fest an Dich denke. D
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Ingrid:
Ich denk ganz fest an dich und wünsche dir al
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Martina:
Ich denk an Dich und drück ganz fest die Daum
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